Eiskaltes Einsparpotenzial: Mit Satellitendaten sicher durch die Polarregionen

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28.9.2020: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Land Bremen zum Dreh- und Angelpunkt der internationalen Luft- und Raumfahrtbranche gemausert. In der Hansestadt treffen etablierte Produzenten auf renommierte Forschungsinstitute, um mit vereinten Kräften die Grenzen des Denk- und Machbaren auszuloten. Dabei setzt die wachsende Luft- und Raumfahrtindustrie branchenübergreifend auf starke Partner mit innovativen Ideen, so wie auf die Drift + Noise Polar Services aus Bremen.

Konvoy durch das Packeis.

Mit dem Schiff schnell und sicher durchs Eis navigieren – mit Hilfe von Daten aus dem Weltall: Das ermöglicht die Drift+Noise Polar Services GmbH. Um in Polarregionen den richtigen Weg zu finden, reicht es nicht, sich allein auf ein gutes Auge zu verlassen. In der Unendlichkeit der weißen Weiten treffen die Seeleute auf sich ständig verändernde Eisfelder, undurchdringlichen Nebel und plötzliche Wetterumschwünge. Traditionell kümmern sich sogenannte Ice-Pilots – also erfahrene Schifflotsen – darum, das nötige Kartenmaterial zusammen zu tragen und stets aktuell zu halten. Eine mühsame und in vielen Fällen unbefriedigende (Hand-)Arbeit. Denn – abhängig von der jeweiligen Region liegen oft kaum verlässliche, aktuelle Informationen vor. Zusätzlich gibt es mitunter Probleme bei der Datenübermittlung, worunter wiederum die Darstellungsqualität leidet.

Satellitennavigation durchs Eis: Automatisiert und immer aktuell

Abhilfe schafft da das automatisierte System der Drift+Noise Polar Services. Es sucht und trägt die entsprechenden Satellitendaten zusammen, bündelt relevante Informationen, bereitet sie gemäß den Bedürfnissen auf und hält sie stets aktuell. Auf diese Weise stehen den Schiffen, die rund um die Polkappen unterwegs sind, zu jeder Zeit hochauflösende, topaktuelle Eiskarten zur Verfügung.

Dieser „Rundumservice“ hilft, Unfälle zu vermeiden und den Verschleiß der Schiffe zu verringern. Darüber werden Zeit und Kraftstoff gespart – was wiederum Geldbeutel und (!) Umwelt schont. Ein eindrucksvolles Beispiel ist der Einsatz des Drift+Noise-Systems auf dem Eisbrecher „Polarstern“: Eine Messstation war seinerzeit nur über den Weg durchs Eis erreichbar, vier Tage hatte der erfahrene Kapitän für die Reise eingeplant. Dank der Nutzung der Drift+Noise-Daten konnte diese Zeit um die Hälfte reduziert werden und das Ziel war bereits nach zwei Tagen erreicht.

Zum Hintergrund: Über Drift+Noise Polar Services GmbH

Die Drift+Noise Polar Services GmbH wurde im Jahr 2014 von drei Mitarbeiten des in Bremerhaven ansässigen Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) gegründet. Das aktuelle Gründerteam bestehend aus Dr. Lasse Rabenstein, Dr. Paul Cochrane, Dr. Panagioitis Kountouris und Matthias Verbeke, deckt Kompetenzen in den Bereichen Polarforschung, Satellitenfernerkundung, Software-Entwicklung und IT-Unternehmertum ab.Zurzeit entwickelt das Unternehmen einen neuen digitalen Service mit dem Namen IcySea der in Polargewässern tätige Akteure mit stets aktuellen, operativen Eisinformationen versorgt. Diese werden anhand von Satelliteninformationen, Modellrechnungen, Technologien aus der Polarforschung, der Geophysik sowie der Fernerkundung zusammengestellt und ermöglichen den Nutzern erhebliche ökonomische und ökologische Einsparpotenziale auf ihren Wegen durchs Eis. Unterstützt wird das Unternehmen dabei vom ESA Business Incubator Northern Germany. Zu den Kunden des Startups gehören u.a. die Eisbrecher „Polarstern“ (AWI) und „Aurora Australis“ (Australian Antarctic Division), Hapag Lloyd Cruises und Meerestechnologie-Organisationen wie die Hamburg Ship Model Basin (HSVA).

sar_track: Das Forschungsschiff Polarstern auf Ihrem Weg durch arktisches Packeis. Aufbereitete Sentinel-1 Satellitendaten werden dafür verwendet einen optimalen Weg durch das Packeis zu finden. Die rot gepunktete Linie entspricht dem Cruise Track den die Polarstern anhand des Satellitenbildes ausgewählt hat.

 

In der Arktis kann es zugleich nebelig und dunkel sein. Der richtige Weg durch das Packeis ist unter diesen Bedingungen extrem schwierig zu finden. Die Radarbilder des Sentinel-1 Satelliten durchdringen glücklicherweise Wolken, Nebel und Dunkelheit und bieten auch dann aktuelle Informationen über das Packeis.

 

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