Bremen 2018: Ein großes Luft- und Raumfahrtjahr ist zu Ende

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2018 war in Bremen ein besonderes Luft- und Raumfahrtjahr. Am größten deutschen Raumfahrtstandort stand mit dem International Astronautical Congress (IAC) zweifellos ein besonderes Highlight auf dem Programm. Doch ein Blick auf den Jahresverlauf zeigt: Wettbewerbe, Neuentwicklungen und innovative Ideen werden kontinuierlich im Land Bremen geboren. Eine Rückschau in Monatsschritten.

 

Quelle: AviaSpace/ Hill Media

 

Januar: Mit neuem Namen ins Bremer Raumfahrtjahr
Frisch umbenannt, startete der Verband AviaSpace Bremen e.V. ins Jahr 2018. Der 2005 gegründete Verein Aviabelt Bremen erweiterte damit sein Portfolio und nimmt seither auch die Interessen der Raumfahrtbranche noch stärker wahr. Im Rahmen der Cluster-Strategie des Landes Bremen ist das Netzwerk mit der Umsetzung der Luft-und Raumfahrtstrategie beauftragt und setzte im Laufe des Jahres zahlreiche Akzente – von der Startup-Förderung über Technologietransfer bis zur Netzwerkbildung. Parallel fiel im Januar bremenweit der Startschuss für das Raumfahrtjahr unter dem Motto „Sternstunden“.

Februar: Weltall-Jubiläum und Bauen für die Zukunft
Feierlaune in der Oberen Rathaushalle: Das Weltraumlabor Columbus, Herzstück der europäischen Forschung auf der Internationalen Raumstation ISS, feierte sein Zehnjähriges. Columbus wurde in der Hansestadt entwickelt, gebaut und startete am 7. Februar 2008 zur ISS. „Europäische Forschungstechnologie ist ein Schlüsselbeitrag der ESA-Mitgliedstaaten für die Erfolgsgeschichte des ISS. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir dieses einmalige Labor bauen konnten“, sagte Oliver Juckenhöfel, Leiter des Airbus Raumfahrtstandortes Bremen, anlässlich der Feierstunde.
Wenige Tage später wurde in der Bremer Airportstadt von der ArianeGroup ein weiterer Grundstein in Sachen Raumfahrt gelegt – und zwar für den Erweiterungsbau des Ariane-6-Oberstufen-Integrationszentrums. Dort wird künftig die neue Trägerrakete gebaut.

März: Passagierplus in der Luftfahrt
Auch in der Luftfahrt gab es gute Nachrichten: Schon im März zeichnete sich ab, dass die Quartalsbilanz des Bremer Airport äußerst positiv ausfallen wird. Im ersten Quartal wuchs das Passagieraufkommen schließlich auf 9,7 Prozent, das waren rund 492.000 Passagiere. Verantwortlich für die guten Zahlen waren unter anderem das Business-, Leisure- und Low Cost-Segment. Beliebtestes Reiseziel der Reisenden: Mallorca.

April: ILA Berlin Air Show, Air Craft Interior Hamburg und Delegationsreise nach Kanada
Voller Reise- und Messekalender im April: Der Monat startete mit der Messe für Flugzeuginnenausstattungen Aircraft Interiors Expo in Hamburg. Wenige Tage später reiste der Bremer Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen Martin Günthner mit einer Delegation von Wirtschaftsvertretern nach Montreal (Kanada) und Colorado Springs (USA). Ein guter Start für mögliche Kooperationen war ein von der kanadischen Raumfahrtagentur organisiertes Treffen mit über 40 kanadischen Raumfahrtunternehmen. Zurück in Deutschland, wartete der nächste Pflichttermin in Berlin: die alle zwei Jahre stattfindende Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA). Bremen präsentierte sich dort drei Tage lang den Fachbesuchern, unter der Leitung von AviaSpace Bremen e.V.

 

Messeauftritt AVIASPACE BREMEN e.V./ Trade fair presentation
(Quelle: AVIASPACE)

 

Mai: Fortschritt beim EcoMaT
Zurück in Bremen Airport-Stadt: Das Forschungs- und Entwicklungszentrum EcoMaT (Center for Eco-efficient Materials & Technologies) feierte Richtfest. Wirtschaft und Wissenschaft werden hier 2019 auf rund 22.000 Quadratmetern gemeinsam an Innovationen in Sachen Leichtbau arbeiten. „Das EcoMaT ist das zentrale wirtschaftspolitische Vorhaben des Landes Bremen mit hoher Bedeutung für den Standort auch über die Luftfahrt hinaus“, sagte Wirtschaftssenator Martin Günthner anlässlich der Feier. „Leichtbau, das zentrale Thema im EcoMaT, ist eine wichtige Schlüsseltechnologie für Deutschland.“ EcoMaT ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Land Bremen und Partnern, darunter Airbus.

Juni: Grünes Licht für Raumfahrt Start-up Inkubator
In trockenen Tüchern: Bremen entschied, sich dem Thema Raumfahrt Start-ups explizit zu widmen. Der Raumfahrtinkubator hat zum Ziel, Startups und junge Unternehmen in Bremen mit geeigneter Infrastruktur zu unterstützen. Unternehmen, die nicht älter als drei Jahre sind, und Start-ups sollen hier ein bis zu zweijähriges Inkubationsprogramm durchlaufen. Der Inkubator wird von der Bremer Aufbau-Bank GmbH und AviaSpace Bremen e.V. aufgebaut und betrieben.

Juli: Bewerbungsschluss für die erste Bremen Challenge
Stichtag bei der Bremen Challenge: Bis zum 31. Juli konnten Bewerberinnen und Bewerber ihren Hut in den Ring werfen, um bei der ersten Challenge dabei zu sein. AviaSpace Bremen e.V. richtete den internationalen Ideenwettbewerb für innovative Geschäfts- und Anwendungsideen im Bereich Satellitennavigation erstmals aus, als einen von 20 Regionalwettbewerben im Rahmen des Galileo Masters, früher European Satellite Navigation Competition (ESNC) genannt. Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Studierende, Existenzgründerinnen und -gründer sowie Einzelpersonen wurden aufgerufen, ihre innovativen Ideen und Konzepte einzureichen. Starthaus Bremen unterstützte den Wettbewerb als regionaler Partner.

August: Kleine Satelliten ganz groß
Kleine Satelliten und deren technische Fortentwicklung bieten in der Raumfahrt neue Potenziale und Nutzungsmöglichkeiten. Fachvertreter von AviaSpace Bremen e.V. besuchten deshalb im US-amerikanischen Utah die 32. Small Satellite Conference. Zwei Monate später sollte das Thema auch in Bremen ganz oben auf der Agenda stehen: beim International Astronautical Congress.

September: Früh übte sich bei CanSat
Eine Raumfahrtmission im Miniaturformat: Das simulierte der CanSat-Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahre. Im September kam es zur Endausscheidung in Bremen: Neun Teams reisten aus dem Bundesgebiet an (zwei davon aus Bremen), um ihre Miniatursatelliten in der Größe einer Getränkedose mit einer Rakete mehrere 100 Meter in die Höhe schießen zu lassen und auf Mission zu schicken. Eine Jury aus Fachleuten der Luft- und Raumfahrtbranche entschied über den Sieger. Das Bremer Team plan@earth von der Europaschule Schulzentrum SII Utbremen gewann den dritten Platz. Alle Teilnehmenden erhielten zudem Einblicke bei Unternehmen der Bremer Raumfahrtindustrie.

 

Quelle: ZARM/DLR

 

Oktober: International Astronautical Congress in Bremen.
Nach 2003 zum zweiten Mal von der Hansestadt ausgerichtet, brach der International Astronautical Congress in Bremen Rekorde: Rund 6.400 Fachleute aus der ganzen Welt kamen, auf dem Programm standen über 2.000 Vorträge und am „Public Day“ waren die 10.000 Besucherbändchen schnell vergriffen. Kein Wunder: Neben der Fachausstellung, auf der sich das „Who is who“ der Raumfahrtbranche präsentierte, gab es eine Live-Schalte zum Astronauten Alexander Gerst und die Landung des vom DLR mitgebauten Mascot Lander auf dem Asteroid Ryugu wurde mit verfolgt. Der Kongress gebe die Gelegenheit zu verdeutlichen, dass Luft- und Raumfahrt eine wesentliche Branche für den Hightech-Standort Deutschland sei, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek. Bremen war als führender deutscher Raumfahrtstandort stark vertreten.

 

City of Space präsentiert sich auf dem IAC 2018 in Bremen. Quelle: AviaSpace/Hill Media

 

November: Made in Bremen und reif für die Geschichtsbücher
Zurück im Tagesgeschäft: Im November lieferte Airbus im Auftrag der ESA das erste Europäische Servicemodul (ESM) für das NASA-Raumschiff Orion aus – nach vier Jahren Entwicklungs- und Bauzeit war ein wichtiger Meilenstein erreicht. Mit dem Orion-Raumfahrzeug sollen Astronauten ab 2020 weiter als je zuvor in den Weltraum vordringen. Das ESM aus Bremen misst ca. vier mal vier Meter und enthält die Triebwerke, Treibstoff, Steuertechnik sowie Luft und Wasser für die Astronauten. Eine weitere Erfolgsgeschichte schrieb einmal mehr die internationale Raumfahrtstation ISS: Sie wurde 20 Jahre alt – und ist nach wie vor das größte Kooperationsprojekt der Menschheit im All.

Dezember: Jubel in Marseille & ein gutes Jahr für AviaSpace Bremen e.V.
Das Bremer Startup PlanBlue reiste als Sieger der im Sommer ausgelobten Bremen Challenge zum Endausscheid nach Marseille – und gewann prompt den „Overall Space Oscar“ des europäischen Raumfahrtwettbewerbs Galileo Masters 2018. Die Bremer überzeugten die Jury mit ihrer Unterwasserkamera samt intelligenter Software, mit der sie Daten zum Meeresgrund sammeln wollen – schneller und kostengünstiger als bisher. Mit vier Auszeichnungen und einem Preisgeld von mehr als 100.000 Euro kamen die Bremer aus Marseille zurück. Der Erfolg bestätigte auch das Bremer Luft- und Raumfahrtcluster, sich weiter für die Entwicklung einer Startup-Szene einzusetzen.

 

Plan Blue gewinnt Space Oscars in Marseille, v.l.: Dr. Barbara Cembella (AVIASPACE), Dr. Hannah Brocke (Plan Blue), Holger W. Oelze (AVIASPACE) und Nils Öhlmann (Plan Blue)

 

Für AviaSpace e.V. ging damit ein bewegtes Jahr mit vielfältigen Aktivitäten zu Ende, von Messepräsentationen über Projektsteuerung bis hin zu zahlreichen internen Netzwerktreffen über Themen, die die Bremer Luft- und Raumfahrtbranche bewegten. So waren im Jahresverlauf sechs weitere Unternehmen dem Netzwerk beigetreten: das DLR, Valispace, Hanseatic Aviation Solutions, DSI Aerospace Technologie, OHB System und OHS Engineering. Das Netzwerk wächst.

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